Im Zwiespalt zwischen korrekt und bequem

Ich brauche neue Kleidung. Ich brauche neue Kleidung! Frühjahr. Das vergangene Jahr wurden alle Outfits doppelt und dreifach getragen, die ersten Tage mit Temperaturen über 15 Grad sind da. Ich. brauche. neue. Kleidung.

Es gibt zwei Wege die du gehen kannst, immer im Leben. Einen, der bequem ist, den du mit Jogginghose wandern und vielleicht sogar auf dem Sofa bewältigen kannst. Der zweite ist das genaue Gegenteil. Steinig, hügelig, kurvig, aber vielleicht dafür korrekter, als der Andere.

Dadurch, dass ich mich am Anfang des Schuljahres sehr mit dem Thema Fast Fashion und die Folgen dessen beschäftigt habe, bin ich nun in einem Zwiespalt. Das ist nur ein Beispielthema, anzuwenden ist das Problem auf einige Dinge in meinem momentanen Alltag. Informationen die dich lehren, dich weiterbilden und dich über deinen Tellerrand schauen lassen sind natürlich auch die Informationen die dich in diese Situation bringen. Ohne, dass ich jetzt die Weiterbildung schlecht reden möchte. Man weiß etwas, mit dem man so nicht mehr weiter leben kann, wie man es bisher getan hat.

Ich weiß, dass Kleidung von den gängigen Läden in sehr schlechten Bedinugungen hergestellt wird. Ich weiß, dass Arbeiter*innen ausgebeutet werden, das sie kein gutes Leben haben, wegen meiner Kleidung. Sie arbeiten von morgens bis abends ohne jegliche Pausen, ohne einen sicheren Arbeitsplatz, ohne einen Lohn, der sie für ihre Arbeit auch nur annähernd auszahlen würde. Ich habe selber die Entscheidung getroffen, dass ich diese Labels so weit wie möglich umgehen, beziehugsweise ganz vermeiden möchte. Schon in meinen Vorsätzen für dieses Jahr habe ich es nieder geschrieben und habe bis dato auch keine neue Kleidung gekauft. Jetzt bin ich allerdings an dem Punkt, an dem ich nur noch meine drei Lieblingsoutfits trage und die Hosen eng und kurz werden.

Für mich bieten sich jetzt die zwei unterschiedlichen Wege. Entweder gehe ich trotzdem zu den Labels, die alle kennen, auch wenn ich sie nicht nenne. Mache Einkäufe für die nächsten Monate und habe wahrscheinlich ein schlechtes Gewissen. Ich müsste mein Verhaltensmuster nicht ändern, sondern könnte einfach so weiter leben, wie ich es bisher getan haben. Ich könnte es mir sparen, online nach Second Hand Shops in meiner Nähe zu suchen und hätte trotzdem neue Kleidung. Es wäre eindeutig bequemer. Auf der anderen Seite möchte ich das nicht. Ich möchte Läden wie die beschrieben nicht mehr besuchen, wissen, dass Menschen deswegen leiden und ich an meiner neuen Jeans auch Blut trage. Deswegen würde ich weiter suchen nach Vintage Shops, sie besuchen und wie bisher scheitern. Ich könnte mir bei fairen Labels einen Pullover für das drei oder vierfache an Geld kaufen, wäre glücklich und hätte das Gefühl einen klitzen kleinen Anteil zur Weltverbesserung beigetragen zu haben.

Vor mir liegt eine Frage, die jeder für sich selber beantworten muss: wähle ich die bequeme oder die korrekte Seite?

Es gibt viele unterschiedliche Themenbereiche in denen ich täglich Entscheidungen treffen muss, manchmal kleinere, manchmal größere, manchmal Dinge die sich nur auf mich selbst beziehen, manchmal Dinge mit denen ich auch andere in den Dreck reiten könnte bewusst oder unbewusst. Jeder muss sich letztendlich entscheiden und ich glaube ich werde es mir weiterhin schwer machen, zumindest in diesem Problem.

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