Warum uns die Reaktionen auf den Brand der Notre-Dame die Augen öffnen sollten

Am 15. April 2019 dieses Jahres ereignete sich eine Tragödie in Paris. Am Abend des Montags ertönten Feuersirenen in der französischen Hauptstadt und etliche Feuerwehrfahrzeuge und Löschkräfte hatten nur ein Ziel: die Notre-Dame. Eines der größten Wahrzeichen der französischen Kultur stand in Flammen und drohte vollkommen zerstört zu werden. Der Brand der durch einen verheerenden Unfall entfacht wurde, musste von dutzenden, mutigen Feuerwehrmännern bekämpft werden. Den Tag darauf trauerte die ganze westliche Welt, in den Sozialen Netzwerken, im Radio, in den Zeitungen, aber vor allem in den Herzen.

So wie es scheint, entkam die Kathedrale nur knapp der vollkommenen Zerstörung, denn „15-20 Minuten mehr“, hätten der protzigen Kirche den Rest gegeben, so schreibt Spiegel Online. Unsere Welt ist erschüttert und auch noch jetzt erscheinen stündlich Artikel über das Unglück.

Klar ist, dass die Kathedrale wieder aufgebaut wird und nicht nur Staatspräsident Macron selbst, sondern auch sein Berater für Kulturgüter, Stéphane Bern, hat sich über die Dauer davon geäußert. „Zehn bis zwanzig Jahre“ hält er für realistisch und teuer wird es auch werden. Dass Geld bei der Sache keine große Rolle spielen wird, sah man schon am Dienstag, als etliche Großkonzerne und die reichsten der Reichen angekündigt haben, zu spenden. Bis jetzt sind es fast eine Milliarde Euro und ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll, oder lieber im Boden versinken möchte.

Ich möchte mich hier nicht über die Trauer eschauffieren, und niemanden angreifen, der wegen des Unglücks bedrückt oder traurig ist. Ich liebe die französische Kultur selber, das Essen, die Moralität und Ästhetik die hinter jeder Ecke steckt, genauso wie die Architektur und besondere Bauwerke. Ich war zwar noch nie in der Hauptstadt selbst, aber in Frankreich schon mehrmals. Deswegen ist es nicht die Bedrücktheit, die mir Sorgen bereitet, vielmehr bin ich schockiert über die große Spendensumme.

Auf der Welt passieren täglich, stündlich, wahrscheinlich sogar minütlich Unglücke von schlimmerem Ausmaß. Es sterben Menschen wegen Kriegen, Hungersnöten und anderen Problemen. Innerhalb von diesen zwei Tagen wurde so viel Geld für den Wiederaufbau eines Gebäudes gespendet, mit dem man so viel Besseres schaffen könnte.
Versteht mich nicht falsch, ich finde Geschichte wichtig, ich finde Wahrzeichen und das Kulturerbe wichtig, aber ich meine, dass Menschen und deren Leben und Nöte um einiges beachtlicher als ein Gebäude sind. Vielleicht sollte man die Kathedrale einfach so stehen lassen wie sie ist, denn dieser Brand gehört nun auch zu der Geschichte der französischen Hauptstadt, und das Geld verwenden um Menschen in Notsituationen zu retten.

Aber das ist noch nicht alles. Ich weiß nicht wie oft ich das Bild der brennenden Kathedrale in den letzten Tagen gesehen habe. Ich weiß nicht, wie viele der Leute denen ich folge in der Instagram Story hatten. Aber ich weiß, wie oft ich hungernde und sterbende Kinder, oder Bilder von Kriegen auf ihren Profilen sehe, gar nicht oder kaum. Vielleicht ist das der Moment der uns allen die Augen öffnen sollte. Wir sollten unsere Ignoranz gegenüber Themen, die für uns so fern scheinen verbannen und uns um wichtigere Themen sorgen. Ich weiß, dass ich hier keinen der Spender erreichen kann, das wäre absurd, aber dennoch ist es wichtig für so etwas nicht den Blick zu verlieren und auch mal die Dinge zu hinterfragen, die bei uns hier in Europa passieren.

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