Warum das Abtreibungsverbot in Alabama mehr als problematisch ist

Abtreibung scheint in 2019 ein großes Thema zu sein, vor allem in der Politik. Nicht nur hier in Deutschland regen wir uns über Artikel 219a StGB und eine gewisse Studie auf, für die ein Heidengeld aufgewendet werden soll, nur um weitere Tests über ein und das selbe Thema wie schon x-mal zuvor zu machen. Denn vielleicht könnte dies einmal ja ein anderes Ergebnis herauskommen? Ich fürchte allerdings, dass fünf Millionen Euro nicht dazu beitragen, dass Frauen die bereits eine Abtreibung hatten plötzlich gefährdeter für psychische Krankheiten sind. Aber nicht nur bei uns werden in diesem Bereich mehr als fragwürdige Entscheidungen getroffen.

Vor einigen Stunden bin ich über eine Nachricht aus Alabama gestolpert, die mich sprachlos gemacht hat. Der Senat hat ein Abtreibungsverbot beschlossen, das, bis auf beim Eintritt einer einzigen Ausnahme, legale Abtreibungen unmöglich macht.

Inzest wird nicht berücksichtigt und auch Schwangerschaften durch Vergewaltigungen dürfen nicht abgetrieben werden, die Frauen müssen gesetzlich ihr Baby behalten, ob sie wollen oder nicht. Die einzige Ausnahme tritt ein, wenn die Mutter gesundheitlich durch diese Schwangerschaft bedroht ist.

Begründet wird das ganze sehr religiös:
„Ich glaube, dass wir uns an Gottes Stelle setzen, wenn wir das Leben eines ungeborenen Kindes beenden“, sagte Senator Clyde Chambliss.

Süddeutsche Zeitung, Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-abtreibung-alabama-supreme-court-1.4447699

Abgestimmt wurde im Senat 25 zu sechs Stimmen. Wen wundert es, dass diese 25 Personen, die über das Schicksal und die Zukunft Schwangerer Frauen bestimmen, alles weiße cis-hetero Männer waren? Mich nicht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass alte weiße Männer, Frauen die Selbstbestimmung absprechen, was hier definitiv der Fall ist,

Aber das ist nicht die einzige Problematik dahinter: Schwangerschaftsabbrüche wird es weiterhin geben, nur sind diese von nun an illegal. Mütter, die sich trotzdem für eine solche Behandlung entscheiden, machen sich nicht direkt strafbar, allerdings kann der leitende Arzt mit bis zu 99 Jahren Haft rechnen. Das gestaltet die ganze Prozedur sicherlich nicht einfacher.

Illegale Abtreibungen können noch dazu gefährlich für die Frau sein, wenn sie unter unseriösen Umständen, und ohne bestimmten medizinischen Schutz durchgeführt werden. Dadurch können sie sich in gesundheitlich kritische Lagen manövrieren, nur weil es ein neues Gesetz gibt.
Andererseits könnten sie sich auch selber Leid zufügen, um die Ausnahme der gefährdeten Gesundheit geltend zu machen. Wenn die einzige Chance ein ungewolltes Baby loszuwerden, das Verletzen des eigenen Körpers ist, dann sehe ich schwarz.

Unangefochten wird dieses Thema auf keinen Fall bleiben. Schon jetzt gibt es viele Demonstrationen, in denen Frauen lautstark ihre Meinung äußern und mit dem Spruch „mein Bauch, meine Entscheidung“ für Aufmerksamkeit sorgen. Auch in denen Sozialen Netzwerken, sowie auf Blogs und in Zeitungen macht sich die Empörung breit. Doch das soll noch lange nicht der letzte Schritt des Gerichts in Alabama gewesen sein, sie legen es darauf an Schwangerschaftsabbrüche im ganzen Land zu verbieten.

Was man persönlich von Abtreibungen hält, spielt dabei keine Rolle. Ob sich eine Frau bei einer ungewollten Schwangerschaft für oder gegen eine Geburt entscheidet, ist allein ihre Sache und da sollte ihr von niemandem, auch keinen Gesetzen oder Politikern, reingeredet werden. Es geht um ihre Zukunft, ihr Leben und ihren Körper. Durch so ein Gesetz nimmt man diesen Frauen die Entscheidung für den eigenen Körper und über ihr eigenes Leben und dagegen sollten wir uns alle stark machen.

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