Urlaub auf Sardinien – Bari Sardo

Die Fähre schaukelt hin und her und verursacht ein unangenehmes Gefühl in meiner Magengrube. Sie ist gerade aus dem Hafen gefahren und auf uns warten sechs bis sieben äußerst spaßige Stunden auf einem engen Sessel und Nachbarn mit Kleinkind, das schon in den ersten fünf Minuten das Schreien angefangen hat. Der Einweiser, der uns unseren Prakplatz unter Deck zugewiesen hat, sorgte dafür, dass die Autotür fünf Zentimeter zum nächsten Fahrzeug entfert war, was zur ersten Stresssituation geführt hat: es haben meine Schuhe nicht durch den kleinen Schlitz gepasst, durch den ich anschließend meinen Körper samt Rucksack zwängen durfte. Eigentlich bräuchte ich direkt wieder zwei Wochen Sonne, Strand und Meerluft.

Vor zwei Wochen befand ich mich schon einmal in der gleichen Situation, aber voller Vorfreute auf unseren Urlaub und nach zehn Stunden Fahrt gennerell so müde, dass das nur das Sahnehäubchen auf der Torte war. Wir hatten uns entschieden den diesjährigen Sommerurlaub auf Sardinien zu verbringen, was mit einer 24-stündigen Reise verbunden war, wenn man nicht auf die kleine Insel fliegen wollte. Das hatte außerdem den Vorteil, dass wir unser Auto bei uns hatten und so auch selbstständig, ohne öffentliche Verkehrsmittel die in dem Teil der Insel in dem wir uns aufhielten eh nur eingeschränkt vorhanden waren, nutzen zu müssen.

Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer, auf der es allerdings keine viel größere Stadt als Regensburg gibt. Unser Ziel lautete Bari Sardo, eine Dorf-Stadt mit knapp 4000 Einwohnern, einigen Gässchen und Straßen mit süßen Tante-Emma Läden, wo wir uns eine Ferienwohnung über die Pfingstferien gemietet hatten. Ein Zentrum oder eine Stadtmitte war nur schwer auffindbar, dafür aber ein Supermarkt der verhältnismäßig groß war, eine kleine Bäckerrei die täglich frische Brötchen und Pizzen zum mitnehmen anbot und das Meer, fünf Minuten mit dem Auto entfernt.

Als wir ankamen war ich sehr skeptisch. Unser Appartement war rustikal eingerichtet, dafür gab es Internet um die gängigen Sozalen Netzwerke weiterhin bespielen zu können. Allerdings hatte ich trotzdem keinen Rückzugspunkt, wie einen Park oder ein kleines Cafe, in das ich flüchten hätte können, wenn ich keine Lust auf eine weitere Runde Familienspiele hatte. Ich sah schon förmlich vor meinem inneren Auge, wie mir nach einigen Tagen die Decke auf den Kopf fällt, das geschah aber nicht. Vielmehr hatte ich einen schönen Strand Urlaub der etwas anderen Art, ohne Hotel und das regelmäßige Essen, das man dort morgens, mittags und abends vor den Latz gestellt bekommt. Natürlich hätten wir uns auch wie die vielen Male davor auf Sardinien in solch einem nieder lassen können, nach dem Lesen von ein paar Websites, wollten wir das aber gar nicht mehr, und waren inspiriert unser kleines „Abenteuer“ zu starten.

Die ersten Tage hatten wir leider ziemlich komisches Wetter, für diese Jahreszeit. Es war diesig und nur mäßig sonnig, eher bewölkt, so dass wir gar nicht erst einen Strand ansteuerten. Vielmehr sahen wir uns zuerst in Bari Sardo um und erkundeten ein bisschen unsere Umgebung um uns fortan ohne GoogleMaps orientieren zu können. Das stellte sich allerdings auch am letzten Tag noch als schwierig heraus und wir hätten uns ohne den kleinen Helfer, aufgrund der kleinen vielen Gässchen, sicherlich etliche Male verfahren. Außerdem besuchten wir Tortoli und auch, wenn es eine schon etwas größere Stadt ist, kann man nicht viel mehr als einen halben Tag dort verbringen, ohne das gleiche öfter zu sehen. Hier gibt es auch nette Cafés und in Italien bekommt man beinahe überall einen guten Kaffee oder Cappuccino. Das schlechte Wetter brachte einige Anlaufsschwierigkeiten mit sich und natürlich war auch die Laune getrübt. Da wartet man lange um endlich in der Sonne am Strand brutzeln zu können und dann ist es plötzlich zuhause um einiges wärmer. als auf einer Insel zu der man einen ganzen Tag gereist ist. Die verzog sich aber genauso schnell, wie die Wolken am Himmel, als die Sonne öfter herauskam und es immer heißer wurde. Die Strandsaison war eröffnet und wir frühstückten nur noch morgens in der Wohnung, um dann bis abends braun zu werden.

Strände gibt es in dieser Region genügend. Dennoch hatte unsere Familie zwei persönliche Favorieten, die wir besonders gerne und besonders oft besuchten.

Numero eins ist der Strand Cea, zu dem wir nur circa zehn Minuten fahren musste. Er war weitläufig und geschützt von Büschen und Bäumen, die an den heißesten Tagen auch treue Schattenspender waren. Wir lagen dort oft von früh bis spät, hörten Podcasts, Hörbücher oder lasen, wenn wir nicht gerade badeten. Der Sand war zwar nicht annähernd weiß, das Wasser dafür aber umso türkieser und glasklar. Man konnte weit rein gehen und auch an den tieferen Stellen immer den Boden und vereinzelt Fische oder Muscheln sehen. Mit unserem Stand Up Padle board konnten wir zu einem der Felsen padeln, die sich einige hundert Meter vom Strand entfernt befanden und rot und groß aus dem Wasser ragten. Außerdem gab es zwei Lagunen, die nach einem kleinen Spaziergang einen ruhigen und geschützten Ort boten um die letzten Sonnenstrahlen am Abend einzufangen. Vor allem für Strand Fans, die gerne lange Sandstrände mögen, ein kleiner Traum.

Unser zweiter Strand-Liebling ist der Su Sirboni Spiaggia, zu dem man ein wenig klettern muss und deshalb kaum Gepäck mit nehmen kann. Nach dem 15 minütigen Laufen über kleine und große Steine, erreicht man eine süße Bucht, die leider kein Geheimtipp, aber auch nicht überlaufen ist. Umgeben wird der Sandstrand von einer alten Hotelruine, was sich im ersten Augenblick etwas gruselig und abneigend anhört, in echt aber einfach vintage aussieht! Auch hier kann man wieder weit in das Wasser laufen, was ein großer Vorteil für diejenigen ist, die gerne auch mal im seichteren Wasser schnorcheln. Das kann man am Strand nämlich auch machen, da die umliegenden Felsen bewachsen mit allerlei Wasserpflanzen sind und somit auch Fischen und anderen Meerestieren ein Zuhause bieten. Alleine an einem Tag haben wir einen Seestern und einen Tintenfisch entdeckt und ich habe mir meinen kleinen Schock-Schrei und das anschließende Rumgezappel sogar verkneifen können, so dass ein Video auch noch möglich war (könnt ihr auf Instagram @curious_reflections im Feed betrachten). Dennoch gibt es durch die Lage keine Möglichkeit zwischendurch ein Eis zu schlecken oder Kaffee zu trinken, da eine kleine Bar schlicht und ergreifen einfach keinen Platz finden würde.

Trotz meiner Angst vor der Tiefe und größeren Fischen, habe ich die Strandtage sehr genossen und bei den Abkühlungen zwischendurch mit Schwimmeinheiten entspannen können, gerade eben weil ich genau sehen konnte, was sich unter mir befand. Wenn ihr also genau solche Meer/See-Schisser seid wie ich und bei jeder kleinen Alge die den Fuß streift einen Schrei loslasst und hecktisch wieder an Land schwimmt, dann könnten das auch zwei Strände sein, die euch gefallen.

Ein weiteres, kleines persönliches Highlight waren die Schafe. Schon morgens haben wir die Glöckchen der hüpfenden und springenden Wollknäul gehört, die mit einigen Hunden zu ihrer Weide geführt worden sind. Auch ein paar einzelne Pferde neben den engen Straßen, Esel und Ziegen oder Kühe konnte man sehen, die einem den Tag noch ein kleines bisschen versüßt haben. Außerdem passen sie perfekt ins Landschaftsbild und haben nur noch das letzte Puzzelteil gebildet für einen Urlaub in der Natur.

Essen ist im Urlaub für mich aber das Wichtigste. Ich sollte mir regelmäßig etwas zu Gemüte führen, um nicht mein Umfeld mit meiner schlechten Laune wegen Unterzuckers zu nerven. Morgens gab es einen Kaffee und drei Schalen meines Lieblings-Müslis, was es nur in Italien gibt und wahrscheinlich in Wirklichkeit eher eine Süßigkeit ist. Zu Mittag kann man sehr gut Pizza von einer kleinen Bäckerei, Focaccia mit Tomaten oder Oliven aus dem Supermarkt oder ein Panini von der Strandbar, genießen. Auch wenn das alles nicht ganz so gesund ist, geht das für zwei Wochen schon einmal und so lange es an jedem Tage eine vernünftige Mahlzeit gibt, bin ich happy.

Zu meiner großen Freude, hatte unsere airbnb Gastgeberin einen ordentlichen Garten voller Gemüse, Früchten und Zitronenbäumen, aus dem wir regelmäßig frisches und gesundes Essen oder Getränke bekamen. Natürlich war alles ungespritzt und bio, weshalb die Salate und Zucchinipfannen noch ein Stückchen besser geschmeckt haben. Die Restaurantlandschaft ist in Bari Sardo, so wie ich das empfunden habe, nicht wirklich ausgeprägt. Wir haben eine Pizzeria ausprobiert, die ganz okay war und ansonsten kann ich die Agriturismo- Angebote sehr empfehlen. Wir haben zwei Höfe ausprobiert und das Prinzip ist meiner Meinung nach brillant: Jeder der etwas selber anbaut, Vieh hat oder sich in der Lage fühlt Leute zu ernähren, kann das im Internet anbieten. Dann meldet man sich persönlich bei einer dieser Personen und bekommt dann abends oder mittags ein Menü, je nach dem was am Tag geerntet wurde. Unsere zwei Erfahrungen waren super und wir sind immer mit einem vollen Bauch in die Wohnung zurück gefahren.

Alles in allem war es ein gelungener und entspannter Urlaub. Ich bin gebräunt und erholt und habe genug Kraft gesammelt, um die letzten Wochen Schule vor den Sommerferien zu meistern. Detox war es auch ein bisschen, da ich über die zwei Wochen meine Bildschirmzeit noch einmal deutlich regulieren konnte, was auch ganz gut ist.

Auch wenn es euch nicht gerade in eines der kleinen, niedlichen Dörfer verschlägt, ihr euch aber dennoch im Süd-Osten Sardiniens aufhaltet oder eine kleine Reise dahin plant, habe ich vielleicht die richtigen Tipps für euch gehabt.

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