Wie nachhaltig ist unser Kleiderkonsum? – Slow- und Fastfashion

Seit einer geraumen Zeit hat die Bedeutung „Nachhaltigkeit“ in unserer Gesellschaft an Wert gewonnen. Faires und umweltbewusstes Denken kann man in allen Lebenssituationen anwenden: beim Essen, im Haushalt und natürlich auch in unserem Kleiderschrank. In diesem Bereich unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Modellen der Modeindustrie, die unseren Konsum und die Nachhaltigkeit unseres Lebensstils beeinflussen.

Fast Fashion ist eines davon:
Man kann Unternehmen das Businessmodell Fast Fashion zuschreiben, wenn die Produktion der Modekollektionen pro Jahr auf bis zu 52 angestiegen ist und Minikollektionen, die wöchentlich neu in den Läden zur Verfügung stehen, dafür sorgen, dass man immer weiter konsumiert. Bei diesem Prinzip hat man nicht für besondere Anlässe oder den Alltag ein bis zwei mögliche Kleidungsstücke oder Outfits, sondern die Möglichkeit, sich nach sieben Tagen neue Kleidung zu beschaffen. Besonders in den 90er Jahren hat dieses Modell an Ansehen gewonnen und wurde immer normaler, auch wenn dadurch die Modeindustrie weniger nachhaltig und deutlich umweltverschmutzender, unfair und menschenverachtend geworden ist. Man kann klar sehen, dass einige der schlimmsten Menschen- und Umweltvergehen in der Fashionindustrie stattfinden.

Es läuft alles falsch in dieser Branche, was gegen unsere Prinzipien der Natur und der Würde des Menschen nur falsch laufen kann. Es fängt an bei der Verarbeitung der Baumwollsamen, dem Schutz der Baumwollpflanzen mit Pestiziden und schädlichen Chemikalien. Weiter geht es mit dem Wasserverbrauch, der durch diese Branche immens hoch ist, über den Transport, bis hin zu den Arbeitsbedingungen, in denen unsere Kleidung hergestellt wird. Und das alles nur, damit wir dann ein T-Shirt für 7 Euro statt für zwanzig erwerben können. All das ist dem Businessmodell Fast Fashion zuzuschreiben und natürlich unserem Konsum und dem Verlangen nach immer günstigerer Kleidung.

Die Suche nach den billigsten Produktionsstandorten führt die Hersteller hauptsächlich nach China, aber auch Länder wie Bangladesch, Indonesien, Kambodscha und auch Vietnam sind nicht gerade unbeliebt bei den bekannten Fast Fashion Labels, die auch wir hier in Schwabach und Nürnberg haben. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Gegenden zahlen den Preis für unsere billige Ware. Sie arbeiten hart und die Voraussetzungen sind menschenunwürdig. In den Bereichen Bezahlung, Arbeitszeiten, Gesundheits- und Sicherheitsschutz werden starke Abstriche gemacht, so dass die Näher*innen sich gerade noch ein Leben am Limit leisten können. Die Löhne sind häufig so niedrig, dass man von den wenigen Groschen gerade einmal das Nötigste kaufen kann, wenn überhaupt, und die Zeiten, in denen genäht wird, sind unterirdisch. Oft sitzen die Arbeiter*innen vom frühen Morgen bis spät in die Nacht, 12 bis 16 Stunden pro Tag an ihren Arbeitsplätzen, ohne Pausen und zusammen mit tausend Anderen in einer stickigen, viel zu warmen Fabrikhalle. Kranken- oder Urlaubsgeld gibt es nicht und wer nicht abliefert, wird rausgeschmissen. In vielen Textilfabriken werden auch Maßnahmen zum Gesundheits- schutz stark vernachlässigt. Die Arbeit mit Chemikalien oder beispielsweise der Vorgang des Sandstrahlens von Jeans, um einen „abgetragenen“-Look zu bekommen, sind gefährlich und werden oft ohne jegliche schützende Kleidung ausgeführt. Von den Sicherheitsvorkehrungen der Gebäude ganz zu schweigen. Es läuft alles unter dem Motto, wenn es billiger geht, dann billiger, egal welche Folgen das nach sich ziehen könnte.

Das sieht man auch an dem tragischen Zusammensturz des Textilfabrikgebäudes Rana Plaza, welches in Sabhar stand und im April 2013 in sich zusammenfiel. Grund waren drei weitere Etagen, die ohne Erlaubnis auf die eh schon hohe Fabrikhalle gebaut wurden, um noch mehr billige Arbeitskräfte anstellen zu können. Die Folgen waren verheerend. Mehr als 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen der 5000 Angestellten starben und hunderte weitere trugen Verletzungen fort, die sie arbeitsunfähig machten. Es wurden Leben zerstört durch die Gier nach niedrigeren Preisen. Dieses Ereignis spiegelt unsere Modebranche meiner Meinung nach gut wieder, denn viel ist seit dem Unglück nicht passiert und Fast Fashion ist immer noch ein großer Bestandteil der heutigen Gesellschaft.

Bildquelle: Wikipedia
rijansFlickr: Dhaka Savar Building Collapse

Das Gegenteil und Dependance ist Slow Fashion. Meist kleinere Labels produzieren zu fairen Bedingungen mit Biobaumwolle, die nur 1 Prozent der Baumwollindustrie ausmacht. Es wird auf langsame und ausgeklügelte Produktion gesetzt und besonders auf die Arbeiter*innen hinter der Kleidung, die wir als Konsumenten meistens nicht sehen, geachtet. Leider ist Slow Fashion und somit Fair Fashion auch teurer und nicht jeder kann sich einen Pullover für 80 Euro leisten. Doch nicht alles was mehr kostet, ist auch automatisch „slow“. Um mit gutem Gewissen Kleidungsstücke kaufen zu können, muss man hinter die Marken schauen und hinterfragen, was man konsumiert. Um die Problematik des Kleidungskonsums in die Köpfe der Menschen dringen zu lassen, gab es am 24. April diesen Jahres den „Fashion Revolution Day“ an dem die sozialen Netzwerke voller Bilder mit auf links gedrehter Kleidung zu sehen waren, um das Schild und somit auch den Ort, wo das Kleidungsstück produziert wurde, sichtbar zu machen. 68 Länder beteiligten sich an dieser Aktion mit Events, Flashmobs und Workshops und stellten sich über die ganze Welt verteilt die Frage: „Who made my cloth?“.

Und auch wir sollten uns fragen, ob unsere Kleidung Menschenleben wert ist, ob wir wirklich so eine Verantwortung tragen wollen, um jede Woche eine neue coole Jeans kaufen zu können. Denn zuerst sollten wir den großen Labels, die wir alle kennen mit unserem Konsum darauf aufmerksam machen, dass wir so etwas, solche Missstände, nicht unterstützen.

Neben den fair produzierten Kleidern ist die nachhaltigste Option das, was man hat, so lange wie möglich zu tragen, um nicht weitere Ressourcen zu verbrauchen und die Arbeiter zu schützen. Gute Möglichkeiten sind dabei Second-Hand-Läden oder Flohmärkte, aber man kann auch mal das Loch in der Jeans selber flicken und so unserer Wegwerfgesellschaft entgegenwirken. Bis jetzt gibt es einige Initiativen, auch in Deutschland, die sich für die faire Produktion in den Entwicklungsländern einsetzen, aber prinzipiell sollten wir alle an unserem Konsum arbeiten und den Preis für unsere Kleidung selber zahlen.

Kommentare

    • Hallo Tina,
      Danke dir – ich hoffe, dass das Bewusstsein immer mehr steigt, das wäre toll 🙂
      Dann warte ich gespannt auf die nächsten Artikel🥰
      Dir noch einen schönen Abend!
      Liebst, Marie

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s