Wie Barbara Schöneberger ihren Ruf innerhalb von 50 Sekunden zerstört

Ich habe Barbara Schöneberger immer für eine sehr starke und tolerante Frau gehalten. Sie und ihr Magazin setzen sich für die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft ein und fast hätte ich „Gleichberechtigung“ geschrieben, aber die Definition dieses Wortes sollte Frau Schöneberger und ihr Team vielleicht noch einmal nach recherchieren.

Vor einer Woche ist auf dem Instagram Kanal des „Barbara Magazins“ ein Video hochgeladen worden, das mein Bild von ihr und ihrer Vorstellung von Gleichberechtigung zerstört hat. In dem 50 sekündigen Video gibt sie ihre „Meinung“ zu Männern preis, die sich schminken. Was dabei das Problem ist? Es gibt einen Unterschied zwischen freier Meinungsäußerung und Diskriminierung.

Diskriminierung ist eine allgemeine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen.

Ich selber bin kein Mann und auch keiner der sich schminkt. Dennoch ist es wichtig, dazu Stellung zu nehmen und seine Kritik gegenüber dieser Anschauung zu äußern, da Gleichberechtigung eben zwei Seiten hat. Man kann nicht verlangen, dass Frauen gleich gestellt gegenüber Männern sein sollen, gleich verdienen und ihre eigene Entscheidungsmacht haben sollen, wenn man diesen Punkt den Männern abspricht. So funktioniert Gleichberechtigung nicht und deshalb bin ich auch so empört, weil sich das „Barbara Magazin“ eigentlich genau mit diesem Thema schmückt.

Zuerst dachte ich, das Video wäre Satire, vielleicht Ironie um die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen wie komisch die Behauptung klingt, dass Männer sich nicht schminken dürfen. Leider hat sich diese Annahme nicht bestätig. Es ist kein Unterhaltungsvideo in dem sie sich gegen die Kritiker von sich schminkenden Männern äußert, es ist ihr voller Ernst.

„Männer dürfen meinet wegen gerne lustig hochgekrempelte Hosen tragen und kurze Jacketts, die ihnen überm Arsch enden. Dann macht des wenn ihr wollt, aber wenn ihr euch jetzt auch noch schminkt, ich finde irgendwo ist auch mal ein Punkt. Männer sind Männer, Männer sollen irgendwie auch Männer bleiben. Ich finde, es müssen nicht alle das gleich machen. Ich möchte auch eine Frau sein und ich möchte aber auch, dass der Mann Mann bleibt – und deswegen bitte nicht schminken.“

Zitat Barbara Schöneberger, Quelle Instagram: https://www.instagram.com/p/B4MZrtzjV8k/

Das ist Barbara Schönebergers Einstieg in ihr anti Gleichberechtigungsvideo auf Instagram. Zuerst einmal die Frage: Frau Schöneberger, wie definieren sie Männer, wie definieren sie Frauen, wieso tun Sie das und haben sie überhaupt das Recht dazu gender roles zu prägen? Sind wir jetzt wieder an dem Punkt angekommen, an dem Frauen die Kinder großziehen müssen und dabei nicht arbeiten gehen dürfen, während Männer nicht weinen und die ganze Verantwortung tragen? Ich hoffe ja wohl nicht. Gender roles sind gerade dabei sich aufzulösen, lockerer zu werden, weil viele Menschen, Frauen und Männer, sich dafür einsetzen. Jetzt maßt sich Barbara Schöneberger an, wieder einen Schritt zurück zu gehen und wieder all diese Klischees auszupacken.

„Geschlechterrolle […] (englisch gender role) werden Verhaltensweisen genannt, die in einer Kultur für ein bestimmtes Geschlecht als typisch oder akzeptabel gelten (und Individuen zugewiesen werden), oder die Verhaltensweisen eines Individuums, die dieses mit seiner Geschlechtsidentität in Verbindung bringt und/oder mit denen es seine Geschlechtsidentität zum Ausdruck bringen will.
Heute wird soziologisch und psychologisch zunehmend Geschlecht und Gender nicht mehr gleichgesetzt, um die kulturell und gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen von den biologischen Gegebenheiten (, ) zu unterscheiden.“
– Zitat Wikipedia
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechterrolle

Sie sagt nicht, dass sie Männer die sich schminken nicht anziehend findet, sie sagt auch nicht, dass sie es einfach nicht schön findet. Sie legt klare Richtlinien auf, wie Männer zu sein haben und was sie tun dürfen – und das ist nicht okay.

Wenn sich Barbara Schöneberger kurz und unbedacht in einer Instagram Story oder in einem Gespräch zu diesem Thema geäußert hätte, dann würde ich noch nicht einmal ein Wort dazu sagen. Unkorrekte und unüberlegte Aussagen können jedem mal passieren. Nun ist es aber so, dass sie ein professionelles Video für ihren Magazin Account veröffentlich hat. Meiner Meinung nach ist das eine andere Hausnummer, da das Video nicht nur von ihr aufgenommen und hochgeladen wurde, sondern schlussendlich durch mehrere Hände gegangen und durchdacht gewesen sein muss.

Die Statements

Wenige Zeit später, hat sich das „Barbara Magazin“ öffentlich zu dem Video geäußert und eine versuchte Entschuldigung gestellt. Darin steht, dass sich Frau Schöneberger gerne mal „frech“ äußert und doch niemandem auf den Schlips treten wollte. Diskriminierung ist nicht frech, sondern einfach nicht in Ordnung.

Jetzt hat Barbara selbst noch einmal ein IGTV auf dem @barbaramagazin Account online gestellt. In den 116 Sekunden rechtfertigt sie sich viel mehr, als das sie die Worte es tut mir leid in den Mund nimmt. Ziemlich unbefriedigend. Ihre Begründung und der erste Satz handelt davon, dass sie sich nicht mit der Schublade zufrieden geben möchte, in die sie gerade gesteckt wird. Dann sollte man sich vielleicht davor einmal Gedanken darüber machen, was man ins Internet hinaus posaunt. Außerdem behauptet sie „gar nicht die bunten Jungs gemeint zu haben, die sich regelmäßig schminken“, sondern „die, die sie früher gedatet hat“. Merkwürdige Formulierung. Anschließend redet sie über den Generationen Konflikt, zieht in Betracht, dass sie einfach zu alt ist für das Thema und deswegen gar nicht mehr verstehen kann, wie dieses in der Gegenwart angesehen wird. So alt ist Barbara Schöneberger doch auch nicht, oder? Danach geht sie noch auf das deutsche Showgeschäft ein und die Tatsache, dass man da ja nicht immer politisch korrekt handeln muss, ihrer Meinung nach.

Trotz dem Fakt, dass „Barbaras Statement“, wie das aktuelle Video heißt, teilweise einfach nur Gerede um den heissen Brei und Rechtfertigung ist, finde ich es gut, dass sie überhaupt noch einmal dazu Stellung nimmt. Sie versucht zwar ihre Aussage zu verbessern, das scheint in diesem Fall allerdings eher erfolglos, wie man den Kommentaren darunter entnehmen kann.

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