25.& 26. [China] – das große Bummeln in Shanghai + Fahrt mit dem Nachtzug

25. Oktober 2019

Der Wecker klingelt, ich drehe mich noch einmal um. Die Müdigkeit sitzt mir in den Knochen und für einen kurzen Moment überlege ich, was passieren würde, wenn ich einfach liegen bleiben würde. Nein, ich bin in China.

Heute steht ein Museumsbesuch auf dem Plan. Leider kein Kunstmuseum, sondern nur geschichtliche Sammlungen von und über Shanghai. Ein paar Vasen, Münzen und vereinzelt Gemälde auf vier Stockwerken verteilt. Nichts wirklich Beeindruckendes. Aber der Kuchen und Kaffee im Museumscafé schmeckten gut und die Architektur des Gebäudes ist nett gestaltet.

Aufgefallen sind uns allerdings erneut die vielen Kameras, die einen auf Schritt und Tritt beobachten und jede Bewegung sofort analysieren. Egal ob im Aufzug zwei aus jeder Perspektive, im Bus oder auf öffentlichen Toiletten, auf denen man sogar nur gratis Toilettenpapier bekommt, wenn man sein Gesicht scannen lässt. Machen sie bestimmt auch, wenn man sich nicht am Spender bedient, unbemerkt.

Um Mittag herum verlassen wir den Ort, der Chinas Geschichte und Kultur repräsentieren soll, das „Shanghai Museum“ und steigen in den Bus Richtung französischer Konzession. Kleine Gässchen schlängeln sich an fast noch keineren Häusern entlang. Lädchen mit allerlei Krimskrams bewerben ihre Ware mit lauten Rufen, von denen wir keinen einzigen verstehen. Wir riechen Gerüche, von denen wir unser Nasen lieber verschont hätten lassen, die allerdings auf Grund der vielen Essensstände unumgänglich sind. Macht am besten einen grossen Bogen um Straßenverkäufe und vor allem um Verkäufe, die euch den Tofu fast hinterher schmeissen. Die Stimmung ist gelassen, vielleicht weil man hier endlich mal das Gefühl hat nicht unbedingt von unzähligen Kameras beobachtet zu werden.

Zum Abschluss unseres Programms besichtigen wir den Jade-Buddha-Tempel mit all seinen unterschiedlichen Skulpturen und Buddhas in den verschiedensten Formen und Lagen. Wir lernen, dass vor jedem Tor und jeder Tür eine Balken ist, über den man mit dem rechten Fuss zuerst steigen sollte, um die Geister ohne Knie abzuschütteln. Da schmeiße ich nun aber mit gefährlichem Halbwissen um mich. Vielleicht haben in der chinesischen Kultur auch nur einige Geister keine Knie und manche schon. Wir treffen auf Betende und Gläubige, die mit geschlossenen Augen und in verneigender Beugung vor den größten Buddha Figuren des Tempels knien, leise etwas vor sich hin murmeln oder manchmal auch lautere Aurufe tätigen.

Ausklingen lassen wir unseren Abend erneut an der Skyline Promenade „The Bound“, die wir schon vom vergangenen Tag kennen. Es sind weniger Leute da. Vielleicht weil der Wind heute kälter weht, vielleicht weil ein Reinigungsteam es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Boden mit einem Hochdruckreiniger abzusprizen und damit den gesamten Weg und ein paar Fußgänger nass machen. Wir sitzen auf einer Steinbank und müssen wohl ziemlich irritiert geguckt haben, als wir anschließend weg geschickt worden sind um nicht pitsch-nass im Hotel anzukommen.

26. Oktober 2019

Ausschlafen ist angesagt, zwar nicht richtiges ausschlafen, aber dennnoch sind mehr als nur sechs Stunden Schlaf drinnen. Das ist ja schon mal was. Wir verschlafen fast das Frühstück und können uns im letzten Moment noch einige interkontinentale Leckereien auf unseren Teller schaufeln.

Erneut fahren wir mit der U-Bahn ins Zentrum der Stadt. Bevor man einsteigen kann, muss man sich einer kleinen Sicherheitskontrolle unterziehen, die Taschen auf ein Fließband legen und scannen lassen. Anschliessen kommen einige Schleusen und zu guter Letzt eine Schranke, die, wenn man nicht aufpasst, das Tagesticket einsaugt, so dass man sich ein neues kaufen muss. Nein, ist uns wirklich nicht passiert, wir wurden ja drauf hin gewiesen. Endlich in der Bahn sitzend wird man von unten nach oben oder andersrum von einigen Einheimischen gemustert. Es fühlt sich fast wie eine weitere Sicherheitskontrolle an, nur das die Augenpaare diesmal nicht bohrend sind, sondern eher neugierig und freundlich scheinen.

Wir verbringen den Tag mit herum bummeln, sich verlaufen weil GoogleMaps nicht funktioniert und Pizza essen, bis wir schließlich wieder zum Hotel zurück kehren um unsere Zugfahrt nach Xi´an zu wagen. Unsere Nachtzugfahrt.

Ich habe zuvor in Deutschland noch nie etwas von Nachtzügen gehört. Zumindest habe ich noch keinen gesehen und hatte deshalb keinerlei Vorstellungen davon, wie eng es in den vier Betten-Kabinen ist. Am Ende hat es dennoch bis zwei Uhr Nachts für acht Personen ausgereicht, als wir uns zusammengekuschelt über Gott und die Welt unterhalten haben. Wir haben gelacht, Tränen sind geflossen und sind mit dieser Erfahrung auf jeden Fall noch einmal einen Schritt näher an die Realität Chinas gekommen. Anfangs war ich sehr skeptisch und habe mir Sorgen darüber gemacht, wie gerädert ich am nächsten Tag sein werde, wenn ich keine Minute schlafe. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich es wiederholen würde, mit dem fleckigen Bettüberzug, der überschwemmten Toilette und dem trockenen Toast als Mitternachtssnack, genau so wie es war.

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