Brauche ich Vorsätze?

Wir schreiben den achten Januar eines neuen Jahres, genauer gesagt des Jahres 2020. Je nachdem wie schnell ich bin, diesen Artikel zu Ende zu verfassen und wie es um meine Motivation steht, ihn ein zweites, drittes oder vielleicht sogar viertes Mal zu überarbeiten, wird er in wenigen Stunden oder Tagen veröffentlicht werden. [Nachtrag: Es sind Tage geworden. Liegt aber auch an der Schule] Diese Situation hätte mich vor einem Jahr so gestresst, dass ich die ganze ‚Internetpräsenz-Geschichte‘ und insgesamt den Blog in Frage gestellt hätte. Warum? Wegen meinen Neujahrsvorsätzen und Zielen. Versteht mich nicht falsch, es ist mir immer noch wichtig regelmäßig Artikel online zu stellen, aber vielleicht mache ich mir nicht mehr den gleichen Druck, wie vor einigen Monaten. Vielleicht hat sich meine Sicht auf Vorsätze generell verändert. Wahrscheinlich sogar ziemlich sicher.

Wer mich schon eine Weile verfolgt, kennt auch meinen Blogpost zu Beginn des vergangene Jahres, in ihm habe ich meine Vorsätze für 2019 niedergeschrieben und mit euch geteilt. Schon dort habe ich mich mit dem Sinn hinter ihnen auseinander gesetzt und nicht einfach nur ’gesünder leben‘ aufgeschrieben. Ungenaue Ziele, wie das eben genannte, sind eher hinderlich und unmotivierend. Man sieht den Satz auf dem Papier, oder in dem Fall auf dem Laptop, und schon beginnt es im Kopf zu rattern: am besten fünf mal die Woche zum Sport, jeden Tag um fünf Uhr aufstehen, um Zeit zu haben den frischen Sellerie Saft zu pressen und danach die Smoothie Bowl in sich hinein zu Löffeln. Außerdem wird anschließend meditiert, besten Falls direkt eine halbe Stunde am Stück, bevor es in die Schule geht.. wer hält denn so etwas mehr als die ersten drei Tage, wenn überhaupt, durch? Ich definitiv nicht. Mir so etwas auf die Ziele-Seite im Bullet-Journal zu schreiben kommt gar nicht mehr in Frage.

Für 2020 habe ich mich deshalb ganz bewusst hin gesetzt und mir Zeit dafür genommen zu reflektieren, was mir im letzten Jahr besonders gut gefallen hat und was ich vielleicht lieber hätte sein lassen sollen. Im gleichen Zuge habe ich überlegt, was mir persönlich gut tut oder was ich liebe zu tun und nur keine Zeit dafür gefunden habe, weil ich zu bequem war oder einfach in den Routinen gefangen.

Zusätzlich finde ich die Formulierung sehr wichtig. Ich blogge regelmäßig, ist schwammiger als ich möchte einen Artikel pro Woche hochladen und wenn ich zusätzlich Zeit finde, kann ich über einen Zweiten nachdenken. Außerdem ist es mir wichtig die Prioritäten zwischen den Vorsätzen zu klären. Wenn ‚darauf achten, dass ich in meiner Freizeit nur das tue, was mir Spaß macht‘ über dem Blog-Ziel steht, dann ist für mich ganz klar was ich am Nachmittag tue wenn ich eigentlich überhaupt keine Lust habe an diesem Tag vor dem Laptop zu sitzen. Was nicht heißt, man müsse seinen inneren Schweinehund nicht das ein oder andere Mal überwinden.

Also: meiner Meinung nach sind Vorsätze sinnvoll, wenn sie einen nicht zu sehr unter Druck setzen und sie so konkret formuliert sind, dass man sie realistischerweise umsetzen kann. Auch ich habe dieses Jahr deshalb eine kleine ausgewählt Anzahl:

Nachdem 2019 meine ersten Anfänge im Thema Nachhaltigkeit gesetzt wurden, möchte ich auch im neuen Jahr weiterhin dieses Denken fortsetzen. Um das umzusetzen verzichte ich auch im neuen Jahr weiterhin auf Fleisch und habe mich dazu entschieden Fast Fashion so gut wie es geht aus meinem Leben zu streichen. In den letzten zwölf Monaten habe ich so wenig herkömmliche Kleidung wie noch nie gekauft und mich, bis auf das ein oder andere seltene Teil, daran gehalten, so gut wie es nur geht nachhaltig zu konsumieren. Ich habe gesehen, dass dieser Punkt auch für mich funktioniert und ich meine Liebe zur Mode dadurch nicht einschränken muss, deshalb wird dieser Punkt im angebrochenen Jahr noch konsequenter umgesetzt.

Vor allem die letzten Wochen haben mir gezeigt, wie sehr mir das kreative arbeiten, abgesehen vom Schreiben, gefehlt hat. Ich habe so viel gemalt wie noch nie und mich in verschiedenen Richtungen und Materialien ausprobiert. Es war meine Auszeit in der ich meinen Kopf für die Zeit in der ich Farben gemischt und auf die Leinwand gebracht habe, ausschalten konnte. Da mir das so gut getan hat mich einfach hin zu setzen und etwas zu Zeichen, möchte ich das in meinen Alltag mehr integrieren und mir extra Zeitinseln dafür schaffen.

Als letzten Punkt, den ich mit euch teile, möchte ich das overthinking von allen möglichen Dingen und Lebenssituationen vermeiden. Manchmal ist es hilfreich sich viele Gedanken zu machen, beispielsweise wenn man eine Lösung für etwas sucht, für mich selber im Alltag kann es aber auch hinderlich sein wenn ich alles zerdenke. Vielmehr möchte ich mehr auf mein Bauchgefühl hören und mich von dem leiten lassen anstatt die achte to-do Liste zu ein und dem selben Thema im Kopf zu erstellen.