7 Gründe „Little Women“ zu schauen – Kinoempfehlung

Wann gönnt man es sich denn mal in unserer schnelllebigen Zeit ins Kino zu gehen? Wenn man schnelle Entspannung braucht, dann fläzt man sich auf das Sofa oder ins eigene Bett, mit dem Laptop auf dem Schoß und eventuell einer schönen Tasse Kaffee in der Hand und öffnet Netflix. Man hat Zugriff auf unzählige Serien und Filme und muss dafür noch nicht einmal das Haus verlassen. Trotzdem hat der Kinobesuch einen besonderen Flair, mal ganz ohne second screening mit Fremden einen Film anschauen, für den man sich ganz bewusst entschieden hat. Genau aus diesem Grund habe ich mir vor ein paar Wochen vorgenommen „Little Women“ im Kino anzuschauen und ich war begeistert.

R A H M E N F A K T E N

  • US-Amerikanisches Historiendrama von Greta Gerwig
  • Romanvorlage: „Little Women“ von Louisa May Alcott
  • Besetzung: Emma Watson, Saoirse Ronan, Florence Pugh, Eliza Scanlen
  • Regie/ Drehbuch: Greta Gerwig

P L O T

Der Film handelt von vier Schwestern im 19. Jahrhundert, denen man seit dem Mädchenalter beim Aufwachsen zusehen kann. Jo, Meg, Amy und Beth entwickeln sich in die unterschiedlichsten Richtungen – während Jo nach New York zieht um Schriftstellerin zu werden entscheidet sich Meg zuhause zu bleiben und eine Ehe einzugehen. Amy dagegen folgt ihrer Leidenschaft des Malens und sucht in Frankreich nach dem Sinn ihres Lebens und Beth als Kleinste wird zuhause von ihrer Mutter gepflegt. Auch wenn die Vier ihren eigenen Weg gehen, merken sie alle welche Hindernisse ihnen als Frau im Weg liegen, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Schwestern haben ein unterschiedliches Verhältnis zu Männern und finden alle im Laufe des Films einen Weg mit ihrer Rolle als Frau in einer Gesellschaft, die vom anderen Geschlecht dominiert wird, umzugehen.

G R Ü N D E den Film zu schauen

1. Der Film ist kitschig und politisch zugleich. Ich muss sagen, dass ich selten während eines Films geweint und gleichzeitig so oft nicken musste. Vor allem Feminismus spielt hierbei eine wichtige Rolle und wird im Charakter von Jo besonders deutlich widergespiegelt. Sie löst sich von ihrer eigentlichen Rolle als Frau wie sie ihr von der Gesellschaft auferlegt wird, lehnt eine Heirat ab um ein unabhängiges Leben zu führen. Besonders gelungen ist die Spanne zwischen dem Leben das sie losgelöst führen möchte und dem Schmerz ihrer Einsamkeit, die ihr durch ihre Einstellung nicht erspart bleibt.

2. In den vier Charakteren kann man die vier großen Künste unserer Welt wiedererkennen: Jo steht für das Schreiben, Meg für die Schauspielerei, Amy für das Malen und Beth für die Musik. Dabei finde ich die Darstellung dieser als vier Schwestern vereint einfach unglaublich schön.

3. Das gezeigte Bild von Frauen in der Verfilmung ist grossartig real. Häufig werden in Filmen solcher Art einfach nur Tränen darüber vergossen, wie schlecht das Leben einer selbstbestimmten Frau im 19. Jahrhundert war. Aber nicht hier. In dem Film wurden zwar auch genau diese Schattenseiten skizziert und der Kampf der Frauen nicht klein gemacht, allerdings wurden auch Erfolge der Frauenbewegung gezeigt und dadurch dass es möglich war dennoch für sich selber einzustehen.

4. Das Korsett der sehr klischeebehafteten Gesellschaft wird aufgebrochen ohne dabei mit gehobenen Zeigefinger dazustehen. Jo, die immer als sehr tomboyish und taff dargestellt wird und sich auch selbst als „Mann im Haus“ betitelt, als ihre sich kümmernde Mutter verreist, hat auch Momente in denen diese Fassade bröckelt. Das wird aber nicht als Moment der Schwäche dargestellt, sondern als normale Situation in ihren Leben die genauso vollwertig ist, wie Situationen in denen sie eine selbstbewusste Frau ist.

5. Trotz der Tatsache, dass eine der Schwestern besonders deutlich für ihre Rechte einsteht, wird hierbei nicht nur ein feministischer Lebensentwurf gezeigt. Auch in den drei anderen Schwestern stecken Funken der Selbstbestimmung. Dies wird besonders vor Megs Hochzeit klar, als ihre Schwester ihr anbietet immernoch zu flüchten, weil sie sich nicht vorstellen könnte irgendwann in ihrer Rolle stecken zu wollen. Sie erwidert allerdings, dass ihr Wunsch Mutter und Hausfrau zu sein genauso viel Wert seien, wie die Träume der unbeschränkten Freiheit.

6. Die Männer kommen gut weg. In einem feministisch angehauchten Drama hätte man sich vorstellen können, dass alle Frauen als „Männerhasser“ und alle Männer als absolute Arschlöcher dargestellt werden. Das ist hier keineswegs der Fall und damit ein absoluter Pluspunkt.

7. Nicht nur der inhaltliche Wert von „Little Women“ hat mich sehr beeindruckt, sondern auch die Art wie dieser umgesetzt wurde. Man war unglaublich kreativ bei eingebauten Zeitsprüngen und auch wenn es einem teilweise schwer fiel, diese von dem Aktuellen zu unterscheiden, war es filmisch so gekennzeichnet, dass man es dann doch noch erkannt hat. Außerdem waren die Momentaufnahmen hier besonders lang dargestellt, was den Film noch intensiver machte. Teilweise sieht man einfach einige Sekunden alltägliche Situationen oder Momente, die normalerweise keine große Bedeutung haben.

Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s