Was ich wirklich während der Quarantäne mache

Auf Instagram oder in den Sozialen Netzwerken gibt es mittlerweile nur noch zwei Account-Typen unter den Bloggern: 1. Die Bananenbrotbäcker. Jeden Tag wird ein neues, super leckeres Rezept ausprobiert und danach die Story mit unzähligen Bildern dieser Brotsorte gefüllt. 2. Die Workouter, die nichts geringeres tun, als mir jeden Morgen erneut ein schlechtes Gewissen zu bereiten, weil sie nämlich genau das Gegenteil von mir in dieser Zeit sind. Sport motiviert. Aber sind das wirklich repräsentative Bilder von normalen Leuten und dem, was sie den ganzen Tag zuhause treiben? Ich kann diese Frage aus meiner Sicht nur verneinen, denn offensichtlich mag ich keine Bananen und der Sport kommt bei mir auch zu kurz.

Wenn ich ehrlich bin sah mein Idealbild von dieser Quarantäne völlig anders aus. Ich wollte jeden zweiten Tag einen Artikel veröffentlichen, stattdessen habe ich zwei online gestellt, von denen einer eine Liste mit Dingen ist, die man während dieser Zeit machen kann. Ich kann von den 50 Punkten vielleicht selber ganze 5 abhaken. Ich wollte jeden Morgen um spätestens acht Uhr aufstehen, um den Tag nutzen zu können, richtig durchzustarten, meine drei Lernpläne umzusetzen, joggen zu gehen, täglich zu malen, mal wieder die Geige in die Hand nehmen zu können, Gesellschaftsspiele mit meiner Familie zu spielen und und und. Tatsächlich bin ich in den vergangenen Wochen kein einziges mal vor 9 bis halb 10 aus dem Bett gekommen. Selbst, wenn ich mir einen Wecker gestellt habe, wurde er so lange ignoriert, dass ich dann nach 1,5 Stunden munterem Weiterschlummern und drei mal Drücken des Snooze-Buttens mich fast vor mir selbst geschämt habe. Aber was soll man machen?

Welches Quarantäne- Klischee ich dann aber doch erfüllt habe ist die Haar Geschichte. Schon nach der zweiten Woche musste eine Schere her und nach ein paar Schnitten hatte ich einen Pony. Weitere Wochen später landete dann neben einem neuen Shampoo auch noch zwei Packungen von Rosa-Haartönung im Einkaufskorb. Wenn, dann sollte ich das doch jetzt ausprobieren, oder nicht? Mittlerweile hat sich ein Großteil der Farbe schon wieder rausgewaschen, aber ich spiele mit dem Gedanken meinem Kopf noch einmal eine Packung Farbe zu verpassen.

Nachdem einige meiner Freundinnen angefangen haben zu nähen oder Kleidung zu besticken, sich aber weder Garn noch eine Nähmaschine in meinem Besitz befindet, habe ich mir mit Danchlorix Abhilfe geschaffen. Ich weiß nicht, ob man das Beträufeln einer Hose mit einem Hygiene-Reiniger als „batiken“ bezeichnen kann, zumindest kam das gleiche Ergebnis raus. Bevor die Baumärkte geschlossen haben, hatte ich mir außerdem noch einmal einige Packungen Akrylfarbe gekauft, aus der Angs heraus meine jetzige könnte leer gehen. Falsch gedacht, leider war das Batiken die einzige kreative Tätigkeit, der ich nach gegangen bin. Bis auf einen Nachmittag, der sich bis spät in die Nacht zog, in der ich mich voll und ganz einer Idee hingegeben habe. Das Bild ist bis jetzt nicht fertig. Keine Motivation, vielleicht auch ein bisschen keine Lust, auf jeden Fall hatte ich bis jetzt nicht die Muse mich noch einmal dran zu setzen.

Was mir wirklich geholfen hat mich nicht in ein Pyjama-Monster zu verwandeln, war, dass ich mich jeden Morgen fertig gemacht habe, wenn ich auch nur eine andere Jogginghose und einen Oversized-Pulli übergeworfen habe. Okay, fast jeden Morgen, denn manchmal habe ich auch einfach an einem Mittwoch beschlossen den Tag als Sonntag zu verbringen, und da lässt man ja bekanntermaßen den Schlafanzug an . Dagegen gesprochen hat auch nichts, wegen Corona und so. Dennoch habe ich zumindest versucht so oft wie möglich Vitamin-D zu tanken, frische Luft schnappen zu gehen und meine Nase wenigstens ab und zu im Park oder Garten der Sonne entgegen zu strecken.

Wenn gar nichts mehr geholfen hat und ich in ein Loch aus Selbstmitleid wegen der gechancelten Pläne im Sommer oder dem home schooling verfallen bin, dann hat bis auf laute Musik von Nicki Minaj nicht viel geholfen. Manchmal habe ich dann den ganzen Tag im Bett verbracht, „Sex and the City“ gebinge-watched und ungesunde Sachen gegessen.

Das ist also die Wahrheit. Die Wahrheit über meine Quarantäne. Kein Produktivitätsschub, keine besonders kreative Phase. Aber wir geben alle unser Bestes!

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