Die Problematik hinter den Gender-Sternchen

Normalerweise bin ich ein großer Verfechter der gegenderten Sprache, egal ob im Schriftlichen mit Sternchen oder im Gespräch indem man an Wörter, die man gendern kann, ein „innen“ nach einer kurzen Pause anhängt. Gegenderte Sprache bedeutet generell, dass du mehr als nur männliche Personen ansprichst, sondern auch weibliche oder durch die kurze Pause auch Menschen die sich nicht über das klassische „Männlich“ oder „Weiblich“ definieren wollen oder können.

Held * innen
männlich – nicht binär – weiblich

Generell benutzt man die Sprache um niemanden auszuschließen mit Texten oder zum Beispiel auch in Jobausschreibungen, bei denen diese Schreibweise ja sogar schon Pflicht ist. Auch, wenn ich sehr darauf achte und für mich selber versuche mich so korrekt wie nur möglich auszudrücken, kann ich die Kritik an den neuen „Anforderungen“ verstehen. Wenn man nicht ständig daran denkt, vergisst man das „*innen“ leicht auch mal, was in einem lockeren Gespräch vermutlich nicht wahnsinnig schlimm ist aber trotzdem problematisch für die Etablierung in unseren Alltagsgebrauch. Man muss seine gesamte Sprache anpassen, Sätze teilweise umformulieren und vielleicht auch darauf achten, nicht all zu oft Wörter zu verwenden, die angepasst werden können. Im ersten Moment ist das anstrengend, klar, aber ich habe das bis jetzt immer in Kauf genommen, um niemanden „auszusperren“.

Letztens habe ich einen Text geschrieben, der mich fast an den Rand des Wahnsinns gebracht hat. Jedes zweite Wort musste mit einem Sternchen versehen werden und immer und immer wieder bin ich beim lesen über diese gestolpert. Das Gendern hat den Lesefluss meines sonst guten Textes zerstört und unverständlicher gemacht. Wenn man im Kopf das „*innen“ anhängt, dann kann man sich ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren. In diesem Zustand konnte der Text auf keinen Fall gedruckt werden, das war mit bewusst und auch denen, die mir dabei geholfen haben.

Nun habe ich ein Problem mit diesen vielen Sternchen und stehe vor drei Möglichkeiten, die eigentlich alle suboptimal sind. Ich könnte den ganzen Text einfach nur mit den männlichen Formen versehen, was gegen meine Prinzipien verstoßen würde aber dann besser zu lesen wäre. Ich könnte den Text einfach so stehen lassen, wäre dennoch unzufrieden aber hätte nicht auf das Gendern verzichtet. Ich könnte den ganzen Text nur in der weiblichen Form schreiben, was aber genauso „schlecht“ wäre wie Variante Numer eins und noch dazu von den Lesern missverstanden werden könnte, weil es einfach nicht die Norm ist. Zerstöre ich den Lesefluss aufgrund meiner Prinzipien oder ist mir das Gendern so wichtig, dass die Leser dafür von den vielen Sternchen abgelenkt werden?

In diesem Fall habe ich mich dafür entschieden, meine Prinzipien einmal über Bord zu werfen, um den Inhalt und die Message hervorzuheben und den Text flüssig zu behalten. Dennoch bin ich immer noch auf der Suche nach einer optimalen Lösung für zukünftige Texte in denen Verallgemeinerungen ganz bestimmt nicht nur männlich bleiben sollen.

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