Tumult – nicht nur im Kopf

ODER: MINI RECAP VON APRIL BIS SEPTEMBER (?!)

Vor über einem halben Jahr haben wir uns grinsend von 2019 verabschiedet, auf einen neuen Abschnitt, neue Möglichkeiten, eine neue, scheinbar bessere Zeit, angestoßen. Raketen schossen in die Luft und am Morgen danach war die Freude des Abends in den vielen Müllhülsen der Böller sichtbar geworden. Man roch förmlich den Feinstaub der auf uns nieder zu rieseln schien wie schädliches Konfetti, das ein neues Abenteuer einläutet. 2020 war da. 

Es passierten komische Dinge, schreckliche Dinge, Dinge, die man niemals erwartet hätte, aber wer erwartet auch, dass ein Jahr so viel verändert. Die rassistischen Morde durch Polizeigewalt in den Staaten und die darauf antwortenden Demonstrationen. Trumps Tweets, die Pandemie, der Brand des Flüchtlingslagers Moria, Kleinigkeiten wie “aus Versehen” frauenfeindliche Gedichte von Bonez MC und Anti-Corona Demos auf denen mit absurden Argumenten neben Reichsbürgern und Esoterikern gegen die Diktatur “Deutschland” gekämpft wurde. Wenn wir nicht Teil dieser Gesellschaft wären, die in diesem riesigen Schlamassel steckt, könnte man fast meinen es ist so absurd, kein Drehbuch dieser Welt würde auf solch ein Drama kommen. Die Aneinanderreihung dieser Ereignisse in einer so schnellen Zeit, dass morgen schon vergessen ist, wo gestern der Anschlag war, ist bizarr. Aber die Welt dreht sich weiter. Wäre es nicht so traurig, würde ich an dieser Stelle gerne einen Lacher einfügen. 

Im Kleinen geht unser jeder Leben trotzdem weiter. Jeden Tag aufs Neue. Wir wachen auf, werfen einen Blick auf den Newsfeed und uns ploppen die schlechten Nachrichten ins Auge, eine nach der anderen. Manche reagieren schockiert, andere legen das Handy routiniert aber seufzend wieder aus der Hand. Wie eine heiße Kartoffel, an der man sich verbrennt, falls man sie nicht sofort wieder ablegt. Andere hingegen scheinen kaum berührt in ihrem Trott weiter zu leben, mit Scheuklappen und ohne jegliche Rührung. Teilweise distanzieren sie sich sogar absichtlich von Berichterstattungen, aber kann man es ihnen verübeln? Manchmal muss man sich auch von dem Gefühl der sich immer enger schnürenden Brust, vor dem Weltschmerz, verstecken, Kraft sammeln und sich anschließend allen Problemen wieder stellen. Denn schon alleine informiert zu bleiben und zuzuhören ist ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem ist es wichtig, sich nicht vollkommen von dieser Welle überrollen zu lassen. Das Leben geht weiter und man sollte es trotzdem genießen und sich nicht verängstigen lassen. 

Bei all den Turbulenzen da draußen, kommt einem das eigene Leben unwichtiger denn je vor. Über irgendwelche Banalitäten oder den schönen Sommer zu schreiben, kam mir dementsprechend merkwürdig und fast falsch vor. Da man bei über 30 Grad eh keinen klaren Kopf hat, habe ich es gleich gelassen. Jetzt wird es kühler, Routinen kommen wieder und der Ernst des Lebens, das letzte Schuljahr, mit dazu.  

Nach einigen Wochen Pause mit Natur pur und vielen Kühen in der Schweiz, einem Wochenende in der Herzens Stadt München und vielen Abenden mit Freunden geht es wieder los. Der Schultrott, ein letztes Mal den ersten Schultag erleben, hoffentlich. Das letzte Mal ein neuer Stundenplan, dafür weniger neue Lehrer, zwei letzte Klausurenphasen vor den Prüfungen auf die wir zwölf Jahre hingearbeitet haben. “Ihr müsst euch dieses Jahr mehr anstrengen denn je, aber es wird machbar sein”, vielversprechende Worte. Auf dem Glücks-Keks, den ich während des ersten Kaffees vor der Schulversammlung mit Maske gezogen habe, steht, dass ich es genießen soll, und genau das habe ich vor.  

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